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Review: Transnationalisierung der Öffentlichkeit in Mittelosteuropa – Eine Befragung von Journalisten zur EU-Berichterstattung

Indira Dupuis (2012): Transnationalisierung der Öffentlichkeit in Mittelosteuropa – Eine Befragung von Journalisten zur EU-Berichterstattung. Baden-Baden: Nomos. 342 Seiten, ISBN: 978-3832970031.

Review von Astrid Otto

Laut einer aktuellen Studie des Eurobarometers 2012 fühlt sich über die Hälfte der politischen Öffentlichkeit in den mittelosteuropäischen Ländern in Polen, Lettland und Tschechien nicht genügend über ihre Rechte als Bürger der Europäischen Union informiert. Welche Gründe oder Faktoren führen zur Desinformation der Öffentlichkeit Mittelosteuropas? Welche Funktion erfüllen die EU-Journalisten und andere öffentliche Kommunikatoren im Dialog- und Informationsprozess zwischen der europäischen und jeweiligen nationalen Öffentlichkeit und den politischen Institutionen und Akteuren der EU?

Die Dissertationsarbeit von Indira Dupuis liefert zu dem aktuellen Informationsdilemma der EU-Öffentlichkeit Mittelosteuropas Befunde und theoretische Ansätze. Ihre Publikation beschäftigt sich mit der „Transnationalisierung der Öffentlichkeit in Mittelosteuropa“ und fragt „nach der aktuellen Situation einer europäischen Öffentlichkeit“ (S.289) und deren Transnationalisierung in den postkommunistischen Ländern Lettland, Polen und Tschechien. Im Gegensatz zu anderen Studien zur europäischen Öffentlichkeit, die die Frage nach einer europäischen Öffentlichkeit zumeist anhand von qualitativen Inhaltsanalysen operationalisieren, führte Dupuis strukturierte Leitfadeninterviews mit 38 Journalisten und Journalistinnen mehrheitlich aus dem Print,- Rundfunk- und Fernsehbereich in den drei bereits erwähnten EU-Ländern durch. Die Interviewfragen orientierten sich an dem Zwiebelmodell Weischenbergs zum Normen,- Funktions,- Struktur und Rollenkontext des journalistischen Organisationssystems.

In diesem Kontext sieht Dupuis die Journalisten in einer doppelten Funktion: Aus der systemtheoretischen Perspektive kann der Journalist einerseits als Beobachter gesellschaftlicher Prozesse zum Mediensystem gezählt werden und andererseits als Meinungsführer der Medienöffentlichkeit fungieren und dem System Öffentlichkeit zugeordnet werden. Journalisten fungieren somit also auch als Opinion Leader, die die öffentliche Meinung beeinflussen können. Dupuis verknüpft die bestehenden Öffentlichkeitstheorien (z.B. von Gerhards und Neidhardt) mit einer systemtheoretischen Perspektive. Dieses Vorhaben ist plausibel, da sich die Öffentlichkeitstheorien wie auch das Arenenmodell ebenfalls der Systemtheorie bedienen, um das intermediäre System der Öffentlichkeit, welches zwischen dem politischen System und dem massenmedialen System steht und die Diskurse beobachtet, zu beschreiben.

Ein Befund der Interviews ist, dass die Relevanz von EU-Themen erst unmittelbar zum Zeitpunkt des EU-Beitritts der Sample-Länder stieg. Eine weitere Erkenntnis ist, dass die Journalisten nationale Medienagenden den EU-Themen vorziehen. Die befragten EU-Journalisten und Journalistinnen gaben an, dass EU-Themen in den Redaktionen und auch bei den Rezipienten als teilweise uninteressant eingestuft werden und die Komplexität der EU-Strukturen und Institutionen die Berichterstattung erschweren würden.

Die konkreten Aussagen der Interviews, die im Jahr 2006 durchgeführt wurden, scheinen zwar nur noch einen marginalen Aktualitätsbezug zu haben. Angesichts der aktuellen Studie des Eurobarometers haben die generellen Erkenntnisse aus der Journalistenbefragung jedoch auch heute noch nicht an Relevanz verloren. So liefert die Studie Erkenntnisse zu (eher geringen) Transnationalisierungstendenzen der Öffentlichkeit in Mittelosteuropa zwei Jahre nach dem EU-Beitritt der ehemaligen sowjetischen Satellitenstaaten aus der Perspektive von Journalisten in den drei untersuchten Ländern Polen, Tschechien und Lettland. Die Interviews zeigen, wie die Journalisten das nationale politische System und die EU-Akteure und deren Institutionen beobachten und aus welchen Quellen sie ihre Informationen beziehen und liefern somit Aussagen über Gründe für Defizite, aber auch Chancen für Anknüpfungsmöglichkeiten der Informationspolitik der EU.

Insgesamt gesehen ist die Dissertationsschrift von Indira Dupuis eine eher theoriefokussierte Publikation, deren innovativer Anspruch es ist, die handlungs- und systemtheoretischen Ansätze zu verknüpfen, um die europäische Öffentlichkeit und deren Transnationalisierungstendenzen theoretisch zu beschreiben.

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